75 x Aubertin
Werke 1958–2008

28. 6.–23. 12. 2009


Zum 75.Geburtstag von Bernard Aubertin zeigt die Stiftung für konkrete Kunst zum zweiten Mal eine große retrospektive Ausstellung des französischen ZERO-Künstlers. 75 x Aubertin steht erstens für die Lebensjahre des Künstlers, benennt aber zugleich die Anzahl der Exponate. In 75 Bildern und Objekten wird ein künstlerisches Leben sichtbar, eine konsequente Entwicklung, stetig und doch voller Veränderungen, durchaus auch mit Brüchen. Vierzig Jahre lang ist Aubertin le peintre du rouge et du feu. Leinwand, Holz, Nägel, Klammern, Eisendrähte hat er genommen, er hat Papiere aufgerissen, Kartons und Aluminiumplatten durchlöchert, Gel getupft und alle diese Strukturen mit Rot überzogen. Er hat Feuer entfacht, Streichhölzer entflammt, Bücher verbrannt. All dies ist in der Ausstellung zu sehen.





1988 bezieht Aubertin sein erstes Atelier in Reutlingen, seit 1992 lebt er ausschließlich hier. 1993 findet in der Stiftung die erste Retrospektive Aubertin, Bernard le rouge statt. Der Rückblick auf dreißig Jahre 'Rot' hat weit reichende Konsequenzen. "Ich suche noch einmal mein Rot" sagt Aubertin und er geht systematisch vor. Wenn bisher eine große Vielfalt von Einzelwerken dominierte, so beginnt er nun in großen Serien zu arbeiten, Plein rouge, Monochromes rouges, Nouveaux rouges, Simplement rouge. 1999 dann die letzte Konsequenz: Aubertin beginnt das Rot unter der Farbe Schwarz zu verstecken. Die folgenden zehn Jahre bis heute sind geprägt von einem raschen Wechsel der Farben (Schwarz, Braun, Grau, Weiß, Gold und Silber), und in der Serie der Triptyques tricolores/bicolores (2006) taucht erstmals sogar eine gewisse Buntheit im Werk des Malers auf. Das serielle Prinzip ist geblieben, und dieses Konzept der beharrlichen Wiederholung des scheinbar Gleichen ist für das Verständnis der Arbeit von Aubertin so wichtig, dass es auch in der aktuellen Ausstellung nicht fehlen durfte. Das Weiß-auf-weiß der 100-teiligen Serie Blanc libre (2004) bildet den ruhigen, gleichförmigen Hintergrund für die Vielfalt und Individualität der 75 historischen Einzelwerke, die gehängt, gestellt oder gelegt im ganzen Raum verteilt sind, und die der Besucher nach und nach entdecken kann.





In zehn Einzelausstellungen hat die Stiftung für konkrete Kunst den Weg von Bernard Aubertin in den vergangenen zwanzig Jahren begleitet. Die Ausstellung 75 x Aubertin ist ein erneuter Rückblick auf nunmehr 50 Jahre künstlerisches Schaffen. Auf die Konsequenzen dieser zweiten Retrospektive sind wir gespannt.

Auch in der Ausstellung Das Quadrat in der Sammlung ist Bernard Aubertin präsent. Über alle zwölf Ausstellungswände zieht sich die Serie der Carré Or, Or Klassik. 100 Goldflächen, je 100 x 100 cm groß, bilden eine Reihe von 'Ur-Quadraten', an welchen sich alle anderen Exponate messen und ausrichten.

Fotos: Manfred Wandel