Undsoweiter 1,2,3
Nemours Koliusis Lenk

18.04.-18.09.2010

Undsoweiter 1
Aurelie Nemours
Le long chemin

Undsoweiter 2
Nikolaus Koliusis
Round-About

Undsoweiter 3
Thomas Lenk
Alpha-Omega







Undsoweiter
heißt es diesmal auf allen drei Etagen der Stiftung. Der Titel meint zweierlei: erstens die Präsentation von drei großen Reihenwerken sowie zweitens das Konzept, diese in bereits bestehende Ausstellungssituationen einzubauen. Eines folgt aufs andere, eines kommt zum anderen, eins, zwei, drei, etc., Nemours, Koliusis, Lenk "und die übrigen Sachen".





Schwarz, blau, gelb, rot, rot, blau..., oder rot, weiß, gelb, schwarz, schwarz, weiß...
Le long chemin ist zweifellos das Chef d'Œuvre der französischen Malerin Aurelie Nemours (1910-2005). Die 64 monochromen Bildtafeln, 1989 für den Oberlichtraum im Dachgeschoß der Stiftung geschaffen, sind das Ziel eines jahrzehntelangen künstlerischen Weges. Streng in der Form, auf die Grundfarben reduziert, vier mal vier mal vier Quadrate, Farbwechsel ohne Buntheit. Strenge, Klarheit, Energie der Farbe, Rhythmisierung der Fläche, die systematische Ordnung der Teile zu einem Ganzen, alle großen Themen von Aurelie Nemours sind in diesem Werk noch einmal vereint. Nicht zufällig ist dieser Weg eine Linie, eine lange gerade Linie, die abbricht und wieder neu beginnt. Eine Linie, die ausbricht aus ihrer Eindimensionalität, die den ganzen Raum umfaßt.
Doch undsoweiter heißt, dieser Raum für Aurelie Nemours ist nicht leer. Die Linie einer schwarzen Tischkante, die Fläche eines grünen Regalfachs, die Quadratur einer braunen Liege, die chromglänzenden Diagonalen eines Stahlrohrsessels sind noch da. Das 'Inventar' der vorangegangenen Ausstellung, die zuvor mit Werken von Bernard Aubertin belegten Tische, Stühle und Regale sind nun zu zwei extrem komprimierten Blöcken zusammengefügt. Und sie erhalten eine neue Funktion: auf diesen Flächen verteilt liegen Bücher, in deren aufgeschlagenen Seiten das Leben und Werk von Aurelie Nemours sichtbar wird.









Im 2.Obergeschoß hat das Inventar einen Namen: das Quadrat in der Sammlung. Doch, trotz des Titels, der Besucher betritt nicht die alte, im vergangenen Jahr gezeigte Ausstellung. Über 150 neue Exponate, Reihen- und Einzelwerke in quadratischem Bildformat, wurden in die bestehende Hängung integriert. Zu dieser 'Hommage to the Square' hat der Künstler Nikolaus Koliusis (*1953) mit einer aktuell für diesen Raum geschaffenenen Arbeit einen Kontrapunkt gesetzt: Round-About, 24 große, kreisrunde Edelstahlplatten sind im Raum verteilt auf dem Boden ausgelegt. Dieses Undsoweiter führt zu einer grundsätzlich neuen Ausstellungssituation: die rektanguläre Ordnung der Bilder, wie auch die Statik des architektonischen Raums werden aufgelöst. Spiegelungen, Doppelungen, Verzerrungen lassen eine zweite Wirklichkeit entstehen.



Alpha-Omega, wie eine Wand verstellt die großformatige Zeichnungsserie von Thomas Lenk (*1933) den Blick auf das Schaulager in der hohen Erdgeschoßhalle der Stiftung. Mit Geometrie und Gestik, rational und emotional, mit exakten Bleistiftlinien und freien Kreidestrichen gibt der Künstler den Kleinbuchstaben des lateinischen Alphabets eine neue Form. Die unendliche Vielfalt unserer Sprache und Schrift, sie basiert auf nur 26 Zeichen. Hinter dieser Buchstabenwand liegt ein Raum der Sammlungen und Archive, der Listen und Verzeichnisse. Das Ordnen von Objekten, das Erfassen von Informationen, auch dies kann ein unendlicher Prozess sein.
Und so wird das Prinzip des Undsoweiter in diesem Raum besonders anschaulich.

G.K. 18.4.2010
Fotos: Nikolaus Koliusis, Steffen Schlichter