Dieter Villinger: Weiss

11. 6.–29. 10. 2006


'Farbe – nichts als Farbe', so wird die Arbeit, werden die monochromen Bilder von Dieter Villinger (*1947) seit Ende der 70er Jahre beschrieben. Er gilt als Vertreter des 'Radical Painting', einer Haltung, die sich auf die elementaren Bedingungen der Malerei, auf Farbe, Fläche und Bildträger konzentriert. Die Farbe hat keine Bedeutung, sie bildet nichts ab, sondern steht nur für sich selbst. Blau ist blau und rot ist rot. Dem Betrachter allein ist es überlassen, welche Assoziationen, Empfindungen oder Bedeutungen ein Bild bei ihm hervorruft. Und so verbirgt sich hinter Villingers rätselhaft klingenden Bildtiteln wie Hostapermviolett Paliogenviolett, Alizarin Krapplack und Irgazingelb, auch kein Geheimnis, sondern sie verweisen ganz einfach auf die Farbpigmente, die der Maler verwendet. Alle Farben sind bei ihm möglich, oft Rot oder Gelb, aber niemals Schwarz, denn dieses bedeutet für ihn "die Abwesenheit von Licht". Aber es sind nicht nur die leuchtenden, oft ungewöhnlichen Farben und Farbmischungen, es ist auch die Technik, die ganz spezifische Art des Farbauftrags, die Dieter Villingers Werk ausmacht. In einem einzigen, oft stundenlangen Malvorgang, bedeckt er mit einem großen Malbesen 'naß in naß' und in ausschließlich horizontaler Richtung die gesamte Bildfläche. Die körperliche Arbeit, die Bewegungen des Körpers, die mehr flüssige oder feste Konsistenz der Farbmasse, alle diese zeitlichen und räumlichen Faktoren bilden sich unmittelbar auf der Bildfläche ab, geben der Farbe Struktur. Direkt neben pastosen Farbaufwerfungen schimmert hauchdünn der Untergrund durch. Villingers Monochromie ist vielfarbig, die Farbe erscheint in ihrer gesamten, unterschiedlichen Materialität.



Zum ersten Mal zeigt eine Ausstellung ausschließlich weiße Bilder des Künstlers. Weiss und Weiss, das bedeutet minimale Differenzierung, Neutralität, Stille. Die Frage, was geschieht, wenn die Farbe fehlt, wird von Werken wie Zinkweiss (1988) und Scotchlite (2005, 2006) zwar unterschiedlich, aber doch eindeutig beantwortet: im Weiß wird die Struktur der Oberfläche, werden Licht und Schatten wesentlich, folgt das Auge jeder Bewegung, jeder Spur, jedem Lichtwechsel. Im Ähnlichen sensibilisiert sich die Wahrnehmung des Betrachters, wird der Maler Dieter Villinger sichtbar.

Fotos: Nikolaus Koliusis

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