Bernard Aubertin: Blanc libre

13. 6.–31. 10. 2004


Seit 1992 lebt der französische Künstler Bernard Aubertin in Reutlingen, seit 1993 arbeitet er in einem Atelier der Stiftung für konkrete Kunst. Diese enge Verbindung führte, neben der großen Retrospektive von 1993, zu einer ganzen Reihe von Ausstellungen, in welchen die jeweils aktuellen Arbeiten vorgestellt wurden. Die Ausstellung Blanc libre steht in dieser Reihe und ist doch etwas Besonderes. Die hier gezeigten Tableaux blancs, unterschiedliche Serien weißer, monochromer Bilder, sind nicht nur neu, sie sind prinzipiell anders, denn die Farbe Weiß stellt im Werk des Malers ein absolutes Novum dar.

Mehr als vierzig Jahre lang war der Name Aubertin gleichbedeutend mit der Farbe Rot. Mit seinen Monochromes rouges und Tableaux-feu wurde der Maler bekannt, sie waren und sind in Ausstellungen und Publikationen zu sehen, und sie sind in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen in der ganzen Welt vertreten. Aubertin war 'der Maler des Rot und des Feuers'.



Dann, 1999, begann der Künstler plötzlich rote Bilder mit schwarzer Farbe zu übermalen, das Rot zu verstecken, zu schützen, wie er damals sagte, um es schließlich vollständig aus seiner Malerei verschwinden zu lassen. In raschem Wechsel folgten nun Serien in Schwarz, Braun und Grau (Peinture noire, Monochrome marron, Monochrome gris). Aus heutiger Sicht kann man wohl von einer Phase des Übergangs, einer Zeit des Suchens und Experimentierens sprechen. Im April 2002 entsteht Tableau blanc N°1, das erste weiße Bild.

Warum weiß? Äußerlich betrachtet greift Bernard Aubertin mit den Tableaux blancs zurück auf seine künstlerischen Anfänge der 50er und 60er Jahre, auf die ZERO-Bewegung, welche die absolute Dominanz der Farbe Weiß postuliert hatte. Plausibler scheint jedoch die Erklärung, dass der Künstler nach einem Leben voller Rot und Feuer, voller Kraft und Dynamik, nun im Alter von bald 70 Jahren, nach einer anderen, stillen Ausdrucksform gesucht hat. Und nicht zuletzt war es wohl auch ein Akt der Befreiung, nicht zufällig heißt die neueste Serie Blanc libre. An die Stelle des symbolbeladenen, aggressiven, vordergründigen Rot ist das freie Weiß getreten, die Summe aller Farben, die Nichtfarbe, die totale Reflektion des Lichts.

Die Ausstellung Blanc libre rekonstruiert auf drei Etagen die wesentlichen Schritte dieser Entwicklung von Rot über Schwarz zu Weiß.

Fotos: Gerald Kellerhals